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A Sample Taste

Here are two short samples.

First, from "Honigherz und Seidenstern":

PFERDEFUTTER
Ihr haltet Nasredin für einen Weisen oder haltet Ihr ihn für einen Narren?
Wie es die einen und auch die anderen zuweilen tun, predigte er gern für
andere Menschen.
Als er eines Tages in eine Moschee kam, war dort aber nur ein einziger Mann als Zuhörer. Nasredin überlegte, halblaut vor sich hin murmelnd, ob er denn für einen einzigen Mann überhaupt predigen solle.
Da meldete sich der Mann zu Wort: “Mullah, ich bin ja nur ein einfacher
Pferdeknecht und weiß von gar nichts. Aber, wenn ich in den Stall gehe und
da steht nur ein einziges Pferd, dann gebe ich diesem Pferd Futter.“
Nasredin nahm sich diese Worte zu Herzen. Er begann nun für diesen einzigen Zuhörer zu predigen. Und er predigte sich warm, dann predigte er sich heiß und immer heißer.
Er sprach über Gott. Und über die Welt.
Über den Himmel. Und über die Hölle.
Über Gutes, über Böses und alles, was dazwischen liegt und somit das meiste ist.
Er sprach über Hier und Dort, über die Einen und die Anderen. Er
predigte von Großem und von Kleinem.
Er predigte und predigte.
Immer besser, immer schneller, immer wortgewaltiger und heißblütiger predigte er. Und predigte.
Und predigte.
Nach langer, langer Zeit kam Nasredin endlich zu einem Ende.
Da wollte er von dem Zuhörer wissen, wie es ihm denn gefallen habe.
Dieser antwortete:
“Mullah, ich bin ja nur ein einfacher Pferdeknecht und weiß überhaupt
nichts. Aber, wenn ich in den Stall gehe und da steht nur ein einziges
Pferd, dann gebe ich diesem Pferd nicht das Futter für alle Pferde.“
(Oriental fairytale)

And another taste from the middle of a longer Mongolian fairy tale from "Rätsellust und Liebeslist"

... Boulabek war nämlich zu einem außerordentlich schönen Mann herangewachsen.
Er war groß, hatte lange gerade Beine mit Haaren, aber nicht zu vielen Haaren. Am Ende seiner schönen Beine hatte er tsss - allerliebste Rundungen.
Er hatte schmale, aber nicht zu schmale Hüften und breite, aber nicht zu breite Schultern, wohlgeformte Arme, wunderschöne Hände.
Er hatte kleine, hübsche, enganliegende ... Ohren.
Eine stolze Nase und Haare bis hierher, die er - wie es sich für den Khan gehörte - hoch oben auf den Kopf gebunden trug.
Er hatte Wimpern, die seine Augen umgaben, wie die Strahlen der Sonne die Sonne selbst. Und obendrein noch einen Kußmund.
Und dazu war er weise, klug und anmutig und der Khan des Landes.
So kam es, daß alle Frauen im ganzen Land nur noch von ihm träumten. Die, die noch keinen Mann hatten, die wollten ihn. Und die, die schon einen hatten - mit Verlaub, es wird erzählt, das auch so manche von ihnen ... nachts im Schlaf "oh Boulabek" seufzten, und dann gab es Streit, gab es Hader, es gab Eifersucht.
Kurzum - das war das Problem.
"Khan Boulabek, du mußt dir eine Frau suchen."
, rieten ihm die Weisen.
Boulabek sagte:
"Gut, ich werde heiraten. Laßt alle Frauen, die mich haben wollen, in sieben und drei Tagen hierher kommen."

Es kamen ihrer viele. Alle, die noch keinen Mann hatten und - ich sage es dir im Vertrauen: Es kamen auch einige, die schon einen Mann hatten und auf Besseres hofften.
Der Khan trat auf den Balkon seines Palastes und war verwundert, daß es so viele Frauen waren. Er schaute sie an und wagte kaum zu sprechen, denn - ich sage es dir aus Erfahrung - es ist gar nicht so leicht vor so vielen Frauen zu sprechen.
"Frauen des Landes", sagte er schließlich, "es freut mich, daß so viele von euch gekommen sind. Es freut mich wirklich.
Von euch allen werde ich diejenige heiraten, die meine Rätsel zu lösen vermag. Ich werde euch drei Tage geben, um sie zu lösen.
Hier ist mein erstes Rätsel: Was ist die Entfernung von Osten nach Westen? Und mein zweites: Was ist die Entfernung zwischen Himmel und Erde?
Und hier ist mein drittes Rätsel: Was ist die Entfernung zwischen Lüge und Wahrheit?"
Damit ging er wieder hinein.
Habe ich erwähnt, daß er eine wunderbare Stimme hatte?
Volltönend, warm, weich und tief.
... sie überlegten. Einen ganzen Tag lang. Und einen zweiten.
Weißt du es denn? ...